Mittwoch, 12. August 2015

Zweiklassengesellschaft in Spielen

Es ist manchmal ein wenig seltsam, dass Menschen Gesellschaftstrukturen im Privaten und Halböffentlichem widerspiegeln. Sie übernehmen diese Strukturen und verändern ihre eigene Herangehensweise im Spiel so, dass sie einem Wettbewerb ähnelt. Alle, die sich diesem Wettbewerb entziehen und keine Lust auf ein Rennen haben, bleiben außen vor. Blöd für die Elite: Die sich weigernde Masse stellt die Mehrzahl der Spieler dar. Beobachten kann man das am Beispiel World of Warcraft.

Seit Jahren besteht hier eine Zwei- bis Dreiklassengesellschaft. Es gibt jene elitären Spieler, welche die Weltrangliste anführen und solche, die die Herrschaften anhimmeln und ihnen zum Teil nacheifern. Der dritte Haufen ist die Masse an Spielern, die das nicht interessiert und die deshalb von den anderen beiden Gruppen verachtet werden.

"Es sollen gefälligst alle auf dem selben Niveau spielen!"

Auf das Thema bin ich durch diesen wirklich schönen Forumsbeitrag im offiziellen WoW-Forum gestossen. Dieser Spieler lässt durchblicken, dass seine Art zu spielen nichts damit zu tun hat, wie Blizzard den Inhalt verändert. Aber er steht mit seiner Art das Spiel zu bewältigen nicht allein da. Die Kritik der meist selbsternannten Profis richtet sich gegen die Masse der Spieler, die keinen Wettbewerb wollen. Es ist ein bißchen so, als würden sich bei einem Marathon die vorderen Läufer beschweren, dass auch hinter ihnen jemand läuft. Das eigentliche Problem wird verschwiegen: Es liegt an Blizzard. Sie entwickeln nun mal Spielinhalte für die Masse und aus wirtschaftlicher Sicht kann man der Firma diese Politik nicht übel nehmen und auch ich als Spieler muss sagen: Ich finde es nicht schlimm! 




Klar: Es ist nicht alles Gold, was glänzt und Blizzard hat sich in den letzten Jahren auch viel Bockmist selbst eingebrockt, aber man muss selbst zugeben, dass man als Spieler diverse Ideen auf dem Papier total super fand, die sich dann auf dem Live-Server als Rohrkrepierer entpuppten. So gesehen klingt der Dungeon-Finder auf dem Papier großartig, erspart er doch das lästige Suchen im Handelschannnel, aber letzten Endes führte er zu massivem Missbrauch seitens der Spieler. Anmeldungen mit der falschen Rolle, Ninja-Looten und extreme Beleidigungen führten zum schlechten Ruf des Dungeonfinders. Bei all der Kritik an Blizzard darf aber ein Punkt nicht außer Acht gelassen werden: Der Spieler trägt hierfür große Mitverantwortung und hat sich diese Hölle teilweise selbst geschaffen.
Bei den meisten Diskussionen um das Spiel gibt es ein immer wiederkehrendes, vor allem psychologisch motiviertes Hoheitsmoment. Und zwar dann, wenn der Spieler von sich behauptet, er hätte schon die Beta damals mitgemacht und seine Meinung wäre deswegen einen Pfifferling mehr wert, als jene seines diskutierenden Kontrahenten. Tatsächlich scheinen die Foren von diesen Classic- und BC-Spielern überzuquellen. Am deutlichsten spiegelt sich die Zweiklassengesellschaft bei alten Classic und BC-Spielern wider, die stets behaupten, dass früher alles viel besser war, obwohl das Spiel vergleichsweise noch nicht ausgereift war und zwischen neuen Spielern, die meist erst zu Cata oder spätem Lichking dazu gestossen sind. Letztere haben den Dungeonfinder dankbarer aufgenommen.

Alt und neu: Das kennen Jugendliche und junge Erwachsene auch aus dem Alltag. In der Schule, bei Großeltern sowie Eltern und für junge Erwachsene gern auch auf ihrer Arbeitsstelle werden sie genau mit diesem Schema konfrontiert. Die ältere Generation behauptet immer, dass ihre Zeit die bessere war und dass bestimmte Dinge früher undenkbar waren. Es ist ein Schema, dass ins Spiel übertragen wird, da "Erwachsene" es kindischerweise als Hoheitsargument missbrauchen: ich bin älter und habe deshalb recht oder ich bin länger hier und bin deshalb wichtiger als andere Menschen. 



Vielleicht schaukele ich das hier ein wenig hoch, aber ich bin durchaus der Meinung, dass diese Phänomene keine Zufälle sind und sich deswegen gegenseitig bedingen. Die Menschen denken in Strukturen und breiten dieses Ordnungsystem in den privaten Raum aus. Die Betroffenen wollen etwas Besonderes sein und sich von der Masse abheben.

Jetzt gehen wir doch aber mal zurück zu dem Punkt, an dem wir das Spiel zum ersten Mal starteten. Wir haben alle den selben Ursprung im Spiel und dieser berühmte, oft verwendete Satz muss komplettiert werden von: "Wir haben alle mal angefangen!" hin zu "Am Anfang waren wir alle mal Casuals!"

Also nehmt etwas Rücksicht auf frische Spieler. 

Strifes.

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