Montag, 7. Dezember 2015

Meinung: Die Krise des Spielejournalismus ist selbst herbeigeführt


Der Spielejournalismus steckt in einer selbst herbeigeführten Krise, die durch Stagnation ausgelöst wurde. Die Reportagen und Kolumnen haben zugenommen, aber qualitativ hat man im Personal-Sektor abgebaut. Man merkt es vor allem daran, dass viele bekannte Spielejournalisten das sinkende Schiff verlassen (haben), weil sie sich, wie sie sagen, entweder weiter entwickeln wollen oder teilweise sogar die Seite wechseln und PR bei Spieleentwicklern betreiben.





Vor ein paar Jahren forderte Christian Schmidt noch "mehr Geist" von seinen ehemaligen Kollegen. Hat sich das geändert? Die Qualität der Artikel hat nicht zugenommen, ist aber auch nicht schlechter geworden. Man kratzt an der Oberfläche. Die Adjektivierung von Wertungen hat extrem zugenommen. Die sprachliche Vielfalt in den Testartikeln hat stark gelitten, finde ich.
In 1990ern gab es einige Zeitschriften, die noch persönlichere Artikel geschrieben haben. Man merkte den Artikeln immer an, welche Persönlichkeit hinter dieser Produktmeinung stand. Das ist leider völlig verschwunden. Blogger haben diese Nische mit ihren persönlichen Geschichten wieder aufgefüllt.
In Podcasts wird auch über den Hype der Spiele generell geredet. Ich persönlich finde es  diesbezüglich spannend, die Blickrichtung anderer Personen auf ein Spiel zu hören oder zu lesen. Die Antwort der Spieletester sind die Kolumnen, aber die sind meiner Meinung nach nicht, was ich erwarte. Mit deser Meinung stehe ich aber womöglich allein da. Mehr Geist bedeutet für Schmidt vielleicht auch mehr Persönlichkeit in einen Artikel zu tragen.

Dieses Meme vermittelt mehr Persönlichkeit über Fallout 4 als so mancher Testartikel zum Spiel.
Leser wollten früher weniger bis gar nichts über Spielmechanik, Immersion oder andere, kulturell relevante Konstrukte der Spielebranche erfahren, heißt es im eingebetteten Video. Ich glaube, hier tut der Autor seinem Publikum unrecht. Diese Angebote hat es einfach nicht gegeben, weil die Autoren darüber nicht geschrieben haben. Die angesprochenen Blogs haben das aufgegriffen und plötzlich wuchs das Interesse. Insofern wurde hier auch von seiten wissenschaftlicher(!) und generell kultureller Untersuchungen ein wichtiger Beitrag geleistet.

Wie entkommt man aus der Krise?
Spieletester brauchen andere Wege um sowohl schreibtechnischen Ausdruck als auch fundierte Meinung an den Interessenten zu bringen. Der klassische Spieletest hilft hier wenig, ist aber nicht überflüssig, so wie das die Herren im Video konstatieren. Im Gegenteil: Es gibt zu viele Meinungen da draußen. Die unprofessionellen Spieletester, seien es Blogger, Lets Player(die eher weniger) und Privatpersonen beschweren sich nämlich sehr schnell über Details und setzen das als Wertung fest. Auf Steam ist GTA V so ein Beispiel. Besieht man sich die Negativwertungen, die als Gesamtwertung formuliert sind, so beschweren sich die meisten Spieler über den Online-Modus des Spiels, der aber nicht das Herzstück ist. GTA Online hat sicher seine Macken, an denen Rockstar lange nichts gemacht hat und vielleicht ist er immer noch unspielbar, jedoch hat der Multiplayer keinerlei Einfluss auf den Singleplayer. Man kann zwar Missionen mit anderen Spielern zusammen angehen, braucht diese aber nicht zwangsläufig.

Singleplayer schon durchgespielt?
 Die Zeitschriften sollten sich auf ihre Stärken berufen. Das betrifft den Service des Testens mit verschiedenen Konfigurationen. Das reine Nennen von Systemvoraussetzungen ist mir persönlich zu wenig. Bei Reportagen über Gamergate, Killerspiel-Debatte und anderen Themen wünsche ich mir manchmal mehr Interviews mit Entwicklern, also den Betroffenen. Das wird leider viel zu wenig gemacht, statt dessen kommen selbst ernannte Experten zu Wort und formulieren ihre Meinung von der Seitenauslinie. Die Entwicklerseite ist mir persönlich auch noch zu unterrepräsentiert in den Artikeln. Die unterschiedlichen Perspektiven auf Spiele sind meines Erachtens nach entscheidend für Spielemagazine und die kulturelle Debatte umd das Thema Computerspiele als Kunstwerk und in der Wissenschaft ist extrem vernachlässigt worden. Dieses Pferd ist auch schwer zu reiten, aber dieser Herausforderung muss man sich künftig stellen, wenn Printausgaben in Zukunft eine Chance haben wollen.

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